Diese Tour sollte ursprünglich mal in Richtung Grossglockner gehen, aber auf Grund vom schlechten Wetter wurde sie dann von unserem Tourenspezi Joerg Schlager schnell mal umdisponiert und sie ging in Richtung Mariazell.
Den Bericht dazu übernehme ich im Orginal-Zitat von Joerg Schlager.
[ZITAT Joerg Schlager]
Vor ein paar Wochen gabs ja einen grenzgenialen Bericht vom Mike hierorts zu lesen. Von Rissen im Raum-Zeit Continuum, relativistischen Effekten und unwirklichen Parallelwelten war damals die Rede. Leider scheinen diese Phaenomaene nicht mehr aufs Wiener Umland beschraenkt zu sein, ganz Oesterreich geraet langsam in ihren Sog...
Um 08:00 ist die Welt eine ganz andere, naemlich eine grausame. Gerade zwei Stunden Schlaf sind natuerlich auch suboptimal, wenn eine lange Ausfahrt angesagt ist. Trotzdem hab ich es irgendwie zum Treffpunkt geschafft, Andi und Martin Becke sowie Andy Kunz sind auch mehr oder weniger fit erschienen. Der Tagesbefehl war klar: Beweise fuer extraterrestrische Aktivitaeten im Mariazeller Land zu sammeln, moeglichst ohne selbst ein Teil dieser Ereignisse zu werden.
Nach der relativ unspektakulaeren Gaberl-Beschwuchtelung finden wir erste Anzeichen einer anderen Wirklichkeit am Triebener Tauern. Wir laufen - trotz _sehr_ gemaessigten Tempos - auf eine Gruppe mit Grossenduros auf. Wir ueberholen sie mit gut 30km/h Speedueberschuss. Im Baustellenbereich, auf Sand und Schotter. San die denn komplett deppat?! Eingebildet hab ich mir das trotz massiven Schlafdefizits nicht, der Rest der Partie ist bei der naechsten Rauchpause gleich perplex wie ich. Was solls, eigentlich wollen wir ja ins Zentrum der Alien-Invasion, naemlich nach Mariazell. Also weiter ueber die verregnete Kaiserau (die wird megageil, wenn sie fertig ist!), Richtung Wildalpenstrasse.
Bei einer Rauchpause (ja, schon wieder!) kommt von irgendwo her eine Gruppe Vollkoffer. Hintennach ein Jeep. Andi Becke witzelt noch, dass es sich wohl um das Begleitfahrzeug handelt. Nach beendeter Pause holen wir die Dickschiffe - nona - recht bald ein. Der Andi haette Hellseher werden sollen, der Jeep ist noch immer da und gehoert offensichtlich wirklich zur (Wiener) Partie dazu. Nachdem der aergste Lachkrampf vorbei ist, Gas auf und weg, das Elend soll man nicht laenger als noetig betrachten. Im interessanten Teil der Wildalpenstrasse stehen dann die bereits erwarteten Slalomhuetchen, weitaus spannender fuer uns ist aber, dass der einspurige Gegenverkehr offensichtlich ziemliche Probleme mit sich selbst hat. Highlight ist eine Goldwing die deutlich auf unserer Spur entgegekommt, groesserer Flurschaden kann aber dank defensiver Fahrweise, der Praschl haett seine Freud ;-), vermieden werden.
Der Mittagsmampf in Mariazell ist fein, das Wetter ist es leider noch immer nicht. Eigentlich saukalt, keine Sonne und durchgehend feuchte Strassen. Ausserdem tonnenweise Split. Trotzdem gehts weiter Richtung Wastl am Wald, wo schon eine Gruppe Hollaender (!) den ruhenden Verkehr gibt. Einfach unpackbar, das muss man sich wie Wohnmobile vorstellen, nur schlimmer. Ueberholen faellt also per definitionem flach, demenstrechend wird links und rechts, innen und aussen "vorbeigefahren". Natuerlich wieder einmal ohne dass irgendwer freiwillg Platz machen wuerde. Fuer was haben die ganzen Tourer eigentlich Spiegel in Schrankwand-Groesse, wenn die Fahrer sowieso zu deppat fuer alles sind?
Mein Bedarf an Begegnungen der dritten Art waere jetzt eigentlich so langsam gedeckt, ausserdem muessten _wir_ jetzt auf der Standardstrecke Puchenstuben-Schwarzenbach-Annaberg gnadenlos von den Local Heros hergebrannt werden. Immerhin ist Sonntag im Juni. Es passiert aber nichts dergleichen, wir fangen sogar noch das eine oder andere Huetchen ein. Herbrennen kann man nicht sagen, weil keiner auch nur ansatzweise mitfaehrt. Vielleicht sind die aber auch alle von der massiven Rennleitungspraesenz eingeschuechtert. Danke an dieser Stelle an die netten Leute, die uns immer rechtzeitig drauf vorbereitet haben. BTW: Echte 50km/h sind ein Witz. Nett ist es aber, wenn man mit _exakt_ 50km/h am Sigma auf die Freunde und Helfer zurollt, dann draufkommt, dass man eine Abzweigung verpasst hat, 100 Meter vor ihnen umdreht und "die Flucht ergreift". OK, mein Restprofil hat diese Entscheidung erleichtert ;-)
Nach Ulreichsberg produziere ich dann einen beinahe-Lowsider ohne ersichtlichen Grund, demenstrechend bin ich bis zum Preiner Gscheid eigentlich viel zu vorsichtig unterwegs. Andererseits liegt doch immer wieder einmal ordentlich Schotter auf der Strasse.
Weiter gehts dann nach einem kurzen Abstecher auf die Autobahn (Details schreib ich sicher nicht) ueber die IMHO grenzgeniale Strecke ueber Kranichberg nach Kirchberg am Wechsel. Der Rest der Partie ist von den geschotterten Spitzkehren weniger begeistert, versteh ich jetzt gar nicht ;-) Nach dem netten Abschnitt ueber St. Corona gehts ueber den nach wie vor zu rutschigen Wechsel und dann im absoluten Blindflug dank tiefstehender Sonne nach Miesenbach, wo uns eine heftige Umleitung erwartet. In Birkfeld hat man dann vorsichtshalber wieder einmal alle Cafes zugesperrt. Die Cappuccinos werden also in Weiz genossen, und ein bisserl Zeit zum Benzin reden bleibt auch noch, bevor es ueber die B72 nach Graz heim geht.
Es bleiben 600km, viele schoene Kurven, ein nicht ganz optimales Wetter und die Erkenntnis, dass es offenbar wirklich keine schnellen Leute mehr gibt. Muessen alle die Supersportler verkauft und Reihenhaeuser erworben haben. Ich mein, wir sind wirklich im Touristenmodus unterwegs. Vor 3 oder 4 Jahren haetts da laufend nur links und rechts vorbeigezischt, heuer werden wir 1000te km lang nicht ein einziges Mal ueberholt.
[/ZITAT Joerg Schlager]